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Ausgabelast04/2008next

Fussballfieber

Sammel-Leidenschaft 54 bis 08

Hagen Leopold hat es erwischt: Fußball-Fieber. Und das chronisch: Der leidenschaftliche Fan trägt alles Erdenkliche rund um das runde Leder in seiner Privatsammlung zusammen. Auf Flohmärkten und im Internet stöbert er nach Raritäten. Ex-Spieler, Fans und Vereine überlassen ihm ihre Schätze. Denn sie alle wissen: Bei Leopold sind die Stücke in besten Händen.

 

Das Wunder von Bern

Bis heute lässt der unnachahmliche Spielkommentar des Radiosprechers Herbert Zimmermann Fußballfans einen wohligen Schauer über den Rücken laufen: „Rahn schießt, Tooor, Tooor, Toooor, Toooor!“ Der Siegtreffer des Außenseiters Deutschland im Endspiel der WM 1954 gegen Ungarn. George Mench, ein guter Freund Leopolds, war seinerzeit als Zeitungsfotograf vor Ort in der Schweiz. Sepp Herberger persönlich schleuste ihn in das Berner Wankdorfstadion. Menchs Ziel: „Ich wollte das Menschliche der Spieler in den Vordergrund stellen.“ Dabei entstand dieses Bild: Torschütze Helmut Rahn und Ottmar Walter bei der Siegerehrung, die Hände haltend, während Ottmars Bruder und Mannschaftskapitän Fritz den Pokal entgegen nimmt. Im wahrsten Sinne des Wortes ein ergreifender Moment.

 

Bitte Platz nehmen!

Eine schlichte blaue Sitzschale, darauf die Nummer 70, leicht abgeblättert: Dreieinhalb Jahrzehnte leistete sie ihren Dienst in einer der berühmtesten Fußball-Arenen überhaupt – dem Wembley-Stadion in London. Eingebaut wurde sie zur Weltmeisterschaft 1966 in England. Von hier aus sah der beneidenswerte Sitzplatzinhaber das legendäre „Wembley-Tor“ im Finale England gegen Deutschland – und dürfte danach entweder zum begeisterten Jubeln oder zum lautstarken Protestieren aufgesprungen sein. Hagen Leopold besuchte die Spielstätte 1989 und sicherte sich den hölzernen Zeitzeugen 2002, als die Sitzplätze vor dem Stadion-Umbau ausgebaut und verkauft wurden. Und noch ein Schätzchen der WM 66 nennt er sein Eigen: einen Original-Wimpel mit den Unterschriften des gesamten deutschen Teams.

 

Die WM zum Nachspielen

1974, WM in Deutschland. 900 Millionen Menschen weltweit verfolgen im Fernsehen ein Nationen-Turnier, das die legendäre Elf um Beckenbauer, Breitner und Müller gewinnt. Einer der TV-Zuschauer ist Hagen Leopold, damals sieben Jahre alt. Er geht meistens zu den Großeltern rüber – die haben rechtzeitig zum Turnierbeginn einen Farbfernseher erstanden, wie viele andere Haushalte auch. Reißenden Absatz fanden auch die beiden offiziellen Maskottchen der WM: Tip und Tap, die beiden Glücksbringer im Nationaltrikot, verkauften sich auf Tassen und T-Shirts, auf Anhängern und Aufklebern. Ehrensache, dass ein Sammel-Profi wie Leopold die Maskottchen heute in einer besonderen Ausführung besitzt: als offizielles Würfelspiel zur WM. Für zwei Fußballfans!

Halme für die Ewigkeit

Rom, Stadio Olimpico, 8. Juli 1990. In einem kampfbetonten Spiel gegen Argentinien holt die Nationalelf Titel Nummer drei. Andi Brehme behält die Nerven und schießt in der 86. Minute das Siegtor per Elfmeter. Dieses Bild ging um die Welt: Während seine Spieler den Triumph feiern, schlendert Teamchef Franz Beckenbauer über den Rasen, genießt diesen Moment im Stillen. Ein Stück dieses Rasens, eingegossen in Acryl, steht jetzt in Leopolds Wohnung. In Rom war er „leider nicht“, aber zu drei Mailand-Spielen der DFB-Auswahl reiste der „Spinner“, wie er sich selbst nennt, an. „Nach dem Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei ging es direkt zurück. Eine Stunde vor Arbeitsbeginn war ich wieder zu Hause.“ Da blieb gerade noch genug Zeit, um unter die Dusche zu springen.“ Echte Fans machen eben auch mal durch.

 

Kostbarer Regenschutz

Eine besondere Herausforderung für alle Sammler: Stücke, hinter denen sich kleine Anekdoten verbergen. Leopold besitzt unter anderem eine Eintrittskarte für ein Spiel der WM 1974. Datiert auf den 9. Juli, zwei Tage nach dem Finale. Auflösung: Ein Elfmeterschießen sah das Reglement damals nicht vor. Hätte es nach 120 Minuten Unentschieden gestanden, wären die Teams erneut gegeneinander angetreten. Oder die Menükarte des Mannschafts-Banketts vom 11. Oktober 1953 in Stuttgart. Gegner des WM-Qualifikationsspiels war nämlich das Saarland, damals noch eigenständig. Das Ergebnis: 3:0 für das Team von Sepp Herberger. Auch das Rätselraten um die vom Mast verschwundene Deutschlandfahne beim Finale 1954 löst ein Bild in Leopolds Fundus auf: Ein deutscher Fan benutzte sie kurzerhand als Schutz gegen den strömenden Regen…

 

Erklärtes Ziel: ein Museum

„Für jedes Interesse gibt es Museen in Deutschland. Nur ein nationales Fußballmuseum, das fehlt bislang“, sagt Leopold. Um diese Lücke zu schließen, ist er zusammen mit anderen „Leidenschaftsgenossen“ in der Gesellschaft Deutsches Fußballmuseum aktiv. Ziel ist eine Heimstatt für den Lieblingssport Nummer eins, zu der jeder Fußballfan und Fußballsammler etwas beitragen kann. Leopold: „Es gibt so viele Schätze, die noch im Verborgenen liegen!“ Und eins ist sicher: Wenn das Museum einmal seine Pforten öffnen wird, können darin auch die Fan-Artikel begutachtet werden, die Bitburger zur Europameisterschaft 2008 präsentiert. Versprochen!

 
 

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