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Einblicke 03/2008

 

Einblicke - Hinter den Dolden

Mit der gleichen Leidenschaft, mit der die Bitburger Brauerei ihr Bier braut, kümmern sich die Hopfenpflanzer für dessen wichtigste Zutat. Ein ganzes Jahr lang arbeiten sie mit viel Einsatz, um Siegelhopfen in bester Qualität zu erzeugen. Grund genug, die Menschen hinter dem Hopfen einmal selbst zu Wort kommen zu lassen.

 

Von null auf zehn

1965 bauten in Holsthum noch drei Bauern Hopfen an. Die Ernte wurde von Hand gepflückt, in die neuen Pflückmaschinen wollte keiner davon investieren. Herbert Dick, 23 Jahre alt, wollte nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und Wanderjahren in zwei Lehrbetrieben Agraringenieur werden. Dann hat ihn sprichwörtlich „der Hopfen gekratzt“ – und ließ ihn nicht mehr los. Dick ging zur Bank, kaufte ein Feld, pachtete zwei weitere und krempelte die Ärmel hoch. Rat und Unterstützung kam von der Bitburger Braumeister-Legende Wilhelm Hagemann, den Brauereiinhabern Theobald, Hanns und Bert Simon und einigen Pflanzern. 1978 gewann er auf Internationalen Grünen Woche in Berlin die erste Goldmedaille für seinen Hopfen, heute hat er zehn davon.

Was fasziniert Sie am Hopfen?

Wenn einen einmal der Hopfen gekratzt hat, lässt er einen nicht mehr los. Es ist eine sehr faszinierende Pflanze, sie wird im Frühjahr aufgedeckt sodass er ausschlägt. Er wird rechtswindend an die Rebe bzw. den Steigdraht gewickelt. Anschließend wird er das restliche Jahr über beobachtet und kontrolliert, ob es ihm an Nährstoffen und Spurenelementen fehlt. Das sind alles Dinge, die einem die Liebe zum Hopfen das ganze Jahr über geben.

 

 

Große Hopfenkunde

Der Bitburger Siegelhopfen gilt als einer der besten der Welt. Über die Preise, die er mit seinem Spitzenhopfen gewonnen hat, redet Herbert Dick nicht gerne. Statt über sich, spricht er lieber über sein Lieblingsthema: den Hopfen, den Anbau im Prümtal und was er über die Pflanze in den vergangenen 50 Jahren gelernt hat. Beispielsweise, dass ein Drittel der Weltproduktion an Hopfen in Deutschland erzeugt wird, Hopfen zur Arzneipflanze 2007 gekürt wurde und unter anderem appetitanregende, beruhigende, verdauungs- und schlaffördernde Wirkung besitzt. Oder dass die jungen Hopfensprossen, ähnlich wie Spargel zubereitet, auch als Gemüse gegessen werden können. Oder welche Bedeutung hinter manchen Redensarten steckt.

Warum sagt man eigentlich „Bei dem ist Hopfen und Malz verloren“?

Ein Spruch, der schon über hundert Jahre alt und unter Bierbrauern bekannt ist.

Die Sauberkeit während des Brauprozesses ist sehr wichtig, da sonst Bakterien in das Bier gelangen. Der Lehrling ist für die Sauberkeit während des Brauprozesses verantwortlich, damit das Bier nicht sauer wird. Wenn der Lehrling das aber zweimal nicht beachtet hat, sagt der Meister den Spruch: „Bei dem ist Hopfen und Malz verloren“. Ein Spruch der Sauberkeit.

 

Illustre Kreise

1977 war ein besonderes Jahr für Holsthum. Mit der Verleihung des Hopfensiegels wurde die Siegelhalle des Eifeldörfchens in den kleinen Kreis der gesetzlich bestimmten deutschen Hopfenanbaugebiete aufgenommen. Nur Hopfen aus einem dieser Anbaugebiete kann zur Zertifizierung zugelassen werden und darf, bei bestandener Prüfung, vermarktet werden. Jeder Sack mit getrocknetem Hopfen wird vor Ort versiegelt  und mit Angaben zu Anbaugebiet, Siegelbezirk, Jahrgang und Sorte versehen. Unabhängige Kontrollen garantieren, dass der Hopfen die Qualitätsstandards erfüllt. Standards zu erfüllen genügt für den Bitburger Siegelhopfen nicht. Er liegt seit Jahren mit Spitzenwerten deutlich über dem Durchschnitt.

Was macht den Bitburger Siegelhopfen so besonders?

Die Qualität. Dieser Hopfen hat ca. 30 % mehr Inhaltsstoffe. Das wird auch von Analysen bestätigt. Das liegt an der gute Lage und den tiefgründigen Böden. Hier im Brunntal kann der Eifelhopfen optimal gedeihen.

 

Vom Brauer zum Bauer und umgekehrt

Andreas Dick wurde der Hopfen sprichwörtlich „in die Wiege gelegt“. Mit 16 Jahren war für ihn klar: Ich will Hopfenbauer werden. Seine Eltern sahen das anders und bestanden auf eine „ordentliche“ Ausbildung. Ihnen ist zu verdanken, dass er heute einen Abschluss als Techniker in der Fachrichtung Hopfenbau sowie als Brauer und Mälzer besitzt. Und dadurch den Hopfen aus der Sicht des Bauers und des Brauers kennt. Mit der Bitburger Brauerei verbindet ihn dabei mehr als die Erinnerungen an seine Lehrzeit.  Als exklusiver Lieferant des Bitburger Siegelhopfens schätzt er den engen Kontakt zur Brauerei und fühlt sich auch als Pflanzer als Teil der „Bitburger Familie“.

Sehen Sie sich als Brauer oder als Hopfenbauer?

Ich habe beide Berufe gelernt und somit auch das Wissen eines Brauers. Mit Leib und Seele bin ich aber Landwirt bzw. Hopfenpflanzer.

 

Hopfen und Malz, ...

Der Hopfen scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. „Viele Leute wissen heute gar nicht mehr, dass im Bier Hopfen ist“, sagt Herbert Dick. Schon gar nicht, wie viel Arbeit hinter dem Hopfenanbau steckt. Als angehender Brauer und Mälzer ist Lukas Schwenker da deutlich besser informiert. Für die drei Wochen seines Praktikums hat er seine momentane Ausbildungsstation in der Fassabfüllung der Bitburger Brauerei mit den Hopfengärten der Familie Dick getauscht. Und bereits kräftig dazugelernt. Nicht allein mit grauer Theorie, sondern, ganz im Sinne der Bitburger Ausbildung, mitten in der Praxis.

Was haben Sie Neues über Hopfen erfahren?

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Hopfen, die zu unterschiedlichen Geschmacksnoten im Bier führen können. Hopfen ist eine Saisonpflanze die man nur wenige Wochen im Jahr ernten kann. Außerdem ist das ernten harte Arbeit, daran sollte man denken während man ein Bier trinkt.

 
 

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