Bitburger Magazin
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Ausgabelast04/2008next

Schwergewichtige Schönheiten

Antike Tresore mit modernster Technik

 

So kennt die Welt die Döttling-Tresore: Einzigartig. Sicher. Wer Liebhaberstücke von hohem Wert besitzt, hat auch den Wunsch, sie der Welt angemessen zu präsentieren. Und gleichzeitig möchte er sie bestens beschützt wissen.

 

 

Präzision aus der Provinz

 

Große Kunst verbirgt das Geheimnis ihrer Machart. Die Safes aus Schwaben sind auf der ganzen Welt gefragte Antiquitäten und Prestigeobjekte. Für das Bitburger-Magazin öffnet Markus Döttling seine Manufaktur und präsentiert seine Schätze.

 

Die Werkstatt ist seit drei Generationen in Familienbesitz, gegründet vom Urgroßvater 1919. Seither wird hier gearbeitet und gelebt, alles unter einem Dach. Döttling ist noch ein echter Familienbetrieb aus Sindelfingen: „Um genau zu sein, aus Maichingen. Wir wurden vor gut 30 Jahren eingemeindet“, sagt Döttling. Mittlerweile ist die kleine Schlosserei aus dem Ländle eine Manufaktur von internationalem Rang. „Wir haben weltweit nur zwei Konkurrenten“, erzählt Markus Döttling stolz.

 

 

Mit dem Maybach nach Maichingen</o:p>

 

Viele Tage im Jahr ist Markus Döttling im Flugzeug unterwegs zu seinen Kunden, in die USA, nach Japan und China. Sie kaufen entweder historische Tresore, von Döttling restauriert und mit modernster Technik versehen, oder seinen neuesten Safe, den Bel-Air, den sie individuell ausstatten lassen können. Im Inneren Uhrenbeweger, Humidore, Schmuck-Kassetten. Dazu die Safe-Wände aus Stachelrochen-Leder? Kein Wunsch ist zu ausgefallen. Und genau darum kaufen seine Kunden bei ihm. Einer erklärte Markus Döttling: „Dieser Safe ist ein Unikat. Und so etwas ist schwer zu finden. Die meisten Dinge sind austauschbar heutzutage.“

Besucht ein Kunde die Manufaktur vor Ort, was seltener vorkommt, wird er direkt vom Flugfeld abgeholt. Standesgemäß in einem Maybach, versteht sich. Der exklusive Automobil-Hersteller ist nur einen Steinwurf entfernt. „Wir hier in Sindelfingen unterstützen uns selbstverständlich gegenseitig.“

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Der Maßkonfektionär</o:p>

 

Matt schimmert der unbearbeitete, belgische Tresor aus längst vergangenen Zeiten auf dem Boden der neuen Werkstatt. Es ist ein Brüsseler, Ende 19. Jahrhundert. Die Restaurierung und Veredelung erwarten ihn noch. Auf den kalten Stahl lackieren die Restaurateure eine warme Holzmaserung, täuschend echt. Die Beschläge werden mit Blattgold belegt. Geliefert wird der Brüsseler in die USA, um Zigarren zu bewahren und Uhren zu bewegen. Markus Döttling: „Bei der Gestaltung des Tresors berate ich jeden Kunden persönlich“. Dessen Wünsche stehen an erster Stelle. „Ein „Geht nicht“ existiert bei uns nicht“, sagt der Unternehmer. High-Class scheint da noch untertrieben. „Stimmt. Darüber gibt es eigentlich nichts mehr. Individueller kann’s nicht sein.“ Und jeder Döttling wird Hüter eines Schatzes. Das hat seinen Preis. Für manch einen Tresor könnten die Kunden auch einen Ferrari kaufen.

 

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Zum ersten, zum zweiten... unverkäuflich</o:p>

 

1770, Beethoven wird in Bonn geboren. In Wien heiratet Ludwig XVI. Marie Antoinette. In Monza entwirft der Kunsthandwerker Joanes Porrus, mit bürgerlichem Namen Giovanni Porro, sein Meisterstück, den Medici-Tresor.

Fast 250 Jahre später hat Döttling diese einzigartige Antiquität restauriert. Jetzt steht der Safe auf der Liste der „21 Ultimate Gifts“ des Robb Reports. Darauf schaffen es weltweit nur einzigartige Luxusgüter. Der Preis für den Medici-Tresor: eine Million Euro. Markus Döttling bleibt gelassen: „Vielleicht behalten wir ihn auch einfach, als Prestigeobjekt. Denn so einen Safe gibt es wirklich nur einmal auf der Welt.“

 

 

Herz und Kreuz sind Trumpf</o:p>

 

Äußerlich betrachtet ist der Medici-Tresor nach der Restaurierung in der Sindelfinger Manufaktur eine beeindruckende Antiquität, ein Kunstwerk und Zeugnis des 18. Jahrhunderts. Sein unsichtbares Geheimnis gibt er nur im Notfall preis. Das aufgerüstete Sicherheitssystem schlummert im Inneren. Erschütterungssensoren, Mini-Überwachungskameras sowie Bewegungsmelder lösen bei einem Einbruch stillen Alarm aus. „Der Besitzer wird auf seinem Handy alarmiert und kann darüber sofort die Polizei alarmieren. Dieses Sicherheitskonzept ist absolut State of the Art.“

Um die beiden ausgeklügelten Schlösser zu entriegeln, bedarf es zweier Schlüssel, deren Form an Spielkarten-Symbole angelehnt ist: Herz und Kreuz sind Trumpf. Döttlings Augen leuchten, wenn er von der Leistung des italienischen Tresorbauers spricht: „Das ist handwerkliche Meisterschaft!“ Die Schlüssel allein haben den Wert eines Kleinwagens.

 

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Ein Mann. Ein Safe.</o:p>

 

Mit den Tresoren der Schwaben ist es wie mit dem Geschmacksgeheimnis von Bitburger, gemacht für die Ewigkeit. Was für die Brauerei ein Erfolg ist, könnte für den Tresorbauer zum Problem werden. Geht ihm irgendwann nicht die Klientel aus? Markus Döttling muss lächeln. „Da ist was dran. Unsere Kunden sind aber aufgrund ihres Immobilienbesitzes potenzielle Mehrfachkäufer.“ Döttlings Kundenkartei gleicht zum Teil der Forbes-Liste: Einige Namen liest man in beiden.

 

Dieser einzigartige Erfolg ist anziehend. Täglich gehen Anfragen für Interviews und Fotoshootings ein. Selbst Oprah Winfrey und Peter Jennings, die populärsten Talkmaster der USA, haben schon über Döttling berichtet. Der Chef bleibt bodenständig: „Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hin gehöre.“ Von dem Hype um sein Unternehmen und der Welt der Reichen und Schönen lässt sich Markus Döttling nicht anstecken. Er kommt aus Sindelfingen. Aus Maichingen, um genau zu sein.

 
 

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