Bitburger Magazin
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Ausgabelast04/2008next

Sechs Saiten Juwelen

Gitarren mit Geschichte

 

Gregor Hildens Leidenschaft sind Gitarren. Exquisite, einzigartige und vor allem historische „Vintage Guitars“, oft im Gegenwert einer Luxuslimousine. Wann immer der leidenschaftliche Blues-Musiker Zeit hat, geht er in Sammlerbörsen und Musikläden auf die Suche nach Juwelen mit sechs Saiten. In seiner Heimatstadt Münster in Westfalen öffnete er für das Bitburger Magazin seine Schatzkammer.

 

“Sweet little sixteen”

Sie war purer Luxus in Gold und Rot, sie war der Cadillac unter den elektrischen Gitarren der Rock’n’Roll-Ära: die Gibson ES 355. Chuck Berry machte sie zu seinem Markenzeichen, er spielte auf ihr seine Hits wie „Sweet little sixteen“ (1958) oder „Roll over Beethoven“ (1956). Blues-Legende B. B. King taufte sein Exemplar zärtlich „Lucille“ und trennte sich nie von ihr. Zu einer Zeit, als „Elektronik“ noch nach Science-Fiction und Raumfahrt klang, bot sie ihrem Spieler schon die Möglichkeit, stereo über zwei getrennte Verstärker zu musizieren. Per „Varitone“-Drehschalter konnte man Klänge abrufen, die damals im tatsächlichen Wortsinn „unerhört“ waren. Ihre Metallteile sind allesamt vergoldet, eine Gitarre zum Vorzeigen. Gregor Hildens Exemplar stammt aus dem Jahr 1967, gebaut in der Gibson-Factory in Kalamazoo, Michigan.

 

“If you’re going to San Francisco”

San Francisco im Jahre 1964: Im psychedelisch bunten Holzhaus einer Hippie-Kommune probt ein Twen mit langen Haaren und finnischem Namen auf einer roten Gibson-Gitarre, Modell ES 335. Drei Jahre später, 1967 im „Summer of Love“ sind er, Jorma Kaukonen, und seine Band Jefferson Airplane Ikonen der Flower-Power-Generation. Ihr Hit „White rabbit“ steht weltweit an den Spitzen der Charts, wird zur Hymne dieser Ära. Jorma Kaukonen und seine rote 335 sind immer dabei. Zwanzig Jahre später kauft Bernie Marsden, Gitarrist von Rock-Acts wie Whitesnake, UFO und Cozy Powell das Instrument und bringt es nach Europa. Als Gregor Hilden mit Marsden auf Tour ist, verliebt er sich in die rote 335 und ersteht sie „zu einem angemessenen Preis“. Marsden schenkt Hilden die Widmung „Take care of my guitar, Gregor“.

 

 

 

“My sweet Lord”

„Olympic White“ – weiß wie der Olymp der griechischen Götterwelt: So strahlte diese Fender Stratocaster, als sie 1973 gebaut wurde. George Harrison spielte eine solch blendend weiße „Strat“ im New Yorker Madison Square Garden, beim legendären „Concert for Bangladesh“, der „Mutter“ aller Benefizkonzerte. Er eröffnete es damals mit „My sweet Lord“, seinem größten Hit. Jimi Hendrix, der Erneuerer der Rockgitarre, zelebrierte 1969 seinen Woodstock-Auftritt mit einer solchen „Olympic White“. Weiß ist Gregor Hildens Sammlerstück heute freilich nicht mehr. Sie schimmert in mildem Gelb, in das sich der weiße Lack im Laufe von 35 Jahren verwandelt hat - Beweis für eine „Vintage Guitar“. Statt „Olympic White“ nun gewissermaßen „Heavenly Honey“. Und so klingt sie auch – wie himmlischer Honig.

 

“Talkin’ ’bout my generation!”

Sie war die erste E-Gitarre der Welt, die in Serie gebaut wurde: die Telecaster. Mit ihr etablierte die Firma Fender die moderne Massenproduktion von E-Gitarren überhaupt. Das war 1951. Heute ist die „Tele“ Markenzeichen von Country-Musikern wie Teenstars gleichermaßen. Gregor Wildens „Telecaster Thinline“ entstand zum Ausklang von Swinging London und British Beat 1970, in „Lake Placid Blue“. Ein leuchtendes Blau, metallisch glitzernd, mit einem strahlend weißen Schlagbrett aus synthetischem Perlmutt. Pete Townsend von The Who stand auf diese Gitarre, weil sie sich im wuchtigen Rock-Sound durchsetzen konnte und gleichzeitig umwerfend stilvoll aussah, was dem modebewussten Townsend ungemein wichtig war. Noch heute wird die Telecaster fast unverändert gebaut. Eine genial einfache Konstruktion für die Ewigkeit.

 

“Moonlight Serenade”

Sie ist eine Legende und ein Wunder an Vielseitigkeit: die Gibson ES 175. Erstmals 1949 gebaut, reicht ihr Spektrum vom klassischen Jazz des Altmeisters Herb Ellis über die Lautstärke-Orgien des (heute fast tauben) US-Rockers Ted Nugent bis zu den kultivierten zeitgenössischen Popjazz-Perlen eines Pat Metheney. Gregor Hildens ES 175 in der klassischen „Sunburst“-Lackierung stammt aus dem Jahr 1961. Sie war jahrelang mit dem Glenn Miller Orchestra auf Tour, den Erben des großen Bandleaders aus den 40er-Jahren. Da wurden Swing-Klassiker und Big-Band-Balladen wie „Moonlight Serenade“ auf ihr intoniert. Der Sticker „Fragile“ (Vorsicht, zerbrechlich!) hat sie dabei auf allen Reisen beschützt.

 

„All right now“

„Paula“ ist die große Liebe von Gregor Hilden. Eigentlich, so gibt er verschmitzt zu, sei sie ja „ziemlich verhunzt und verbastelt“. Denn seit sie 1968 in Michigan entstand, wurde ihr Rücken geöffnet, ihr Innenleben für Soundkammern ausgefräst und mit einem 5 mm dicken Mahagoni-Boden wieder verschlossen, Bühnenunfälle brachen ihr die Kopfplatte. Sie wurde wieder zusammengeflickt - und klingt heute besser denn je: die Gibson Les Paul, Gold Top, pur und schnörkellos designt von Gitarren-Legende Les Paul. So pur wie der Geschmack von Bitburger Premium Pils.

70er-Rockbands wie Free schufen mit der Les Paul ihren drückenden, dynamischen Sound: Beim Free-Welthit „All right now“ rockt Paul Kosoff auf einer „Gold Top“. Das glänzende Finish von Gregor Hildens „Paula“ ist im Laufe der Jahrzehnte abgeschliffen worden wie ein Kieselstein im strömenden Wasser. Rock’n’Roll eben.

 

 

 
 

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