Ein Hopfenbauer im Frühling

Marius Lohmer

17.06.2019 · 5 Min. Lesezeit

Der Hopfen erwacht zu neuem Leben – zwischen Bodenarbeiten und Anleiten

Wenn die Tage wieder länger werden, die Vögel in den ergrünenden Baumspitzen ein fröhliches Lied zwitschern und die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres zart auf der Haut kitzeln, dann ist er endlich da: der Frühling. Die Zeit, in der die Natur langsam wieder zu neuem Leben erwacht und das düstere Grau des Winterhimmels einem strahlenden Blau weicht. Und auch in den Gärten von Hopfenbauer Andreas Dick in Holsthum im Naturpark Südeifel beginnt im Frühling eine geschäftige Zeit. Zwar hat der erfahrene Hopfenexperte auch im Winter mit der Pflege der Maschinen und den Vorbereitungen für das kommende Hopfenjahr alle Hände voll zu tun, doch zum Start der warmen Jahreszeit geht es in der Nähe von Bitburg wieder hoch her. Nun beginnt die herausfordernde Arbeit am und mit dem Bitburger Siegelhopfen.

Die Feldpflege – Grundlage für ein optimales Wachstum

Bevor sich die jungen Triebe der mehrjährigen Hopfenstöcke gen Himmel strecken können, bereitet Hopfenbauer Dick seine Hopfengärten gründlich vor. So steht in den ersten Tagen des Frühlings vor allem Feldpflege auf dem Programm. Mit einem Schlepper und einem speziellen Seitengerät führt er auf dem aufgetrockneten Boden den sogenannten Verjüngungsschnitt, auch Gesundheitsschnitt genannt, durch. Dieses Zurückschneiden des Hopfens ist dringend notwendig, um die Pflanzen optimal gegen Schaderreger zu schützen und die Bildung von Unkraut zu vermeiden. Darüber hinaus regt Andreas Dick mit dem Schnitt auch den Austrieb des Hopfens an und kann aus den Abschnitten neue Setzlinge zur Aufstockung seiner Hopfenfelder gewinnen.

Aufhängen des Drahtes in schwindelerregender Höhe – nichts für schwache Nerven

Kann die Feldpflege noch mit schweren Maschinen erleichtert werden, so folgt in den nächsten Schritten schweißtreibende Handarbeit. Denn bei unserem Bitburger Siegelhopfen handelt es sich um eine Kletterpflanze, die sich in den Spitzenzeiten des Wachstums bis zu 30 cm am Tag nach oben rankt. Damit dieses vertikale Wachstum möglichst kontrolliert vonstattengehen kann, hängt Hopfenbauer Andreas Dick schwarz geglühte Eisendrähte an den rund 7,80 m hohen Masten des Feldes auf. Dabei kann er auch auf die Erfahrung und das Geschick seiner Helfer zählen, die ihn teilweise bereits seit über 25 Jahren bei den Frühlingsarbeiten im Hopfengarten unterstützen. Insgesamt verarbeitet Andreas in diesen Wochen gemeinsam mit seinen Arbeitern ca. 600 km des Rankdrahtes – immerhin müssen rund 80.000 Hopfenstöcke in seinen Gärten auf das Wachstum vorbereitet werden. Damit der Hopfen bereits von Beginn an optimalen Halt findet, werden im Anschluss zwei Drähte im sogenannten V-System in die Mitte eines jeden Stocks gesteckt.

Die Königsdisziplin: das Anleiten der jungen Hopfentriebe

Wenn Anfang Mai alle vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sind, zeigen sich nun zeitgleich mit den warmen Strahlen der Sonne endlich auch die ersten Hopfentriebe. Mit bis zu 100 Trieben pro Hopfenstock verlassen sie das Erdreich und beginnen ihre Reise in Richtung Himmelsblau. Der perfekte Zeitpunkt für den berühmten „Kniefall vor dem Hopfen“ – der Königsdisziplin im Hopfenjahr. Denn in dieser Zeit werden pro Hopfenpflanze drei bis vier der jungen Hopfentriebe per Hand rechtswindend an den Draht geleitet, damit sie dem Lauf der Sonne folgen können. Dieses An- beziehungsweise Aufleiten stellt eine der langwierigsten und intensivsten Arbeiten im Hopfengarten dar, schließlich lassen sich die zarten Triebe lediglich manuell auswählen – von arbeitserleichternden Maschinen keine Spur. Zusätzlich müssen Andreas Dick und seine Helfer bei jedem Hopfenstock die überschüssigen Triebe entfernen, um die Pflanze auch über viele Jahre hinweg gesund zu halten. Durch das Entfernen der Konkurrenztriebe kann zudem die gesamte Energie des Bodens in die angeleiteten Ranken fließen und so ein optimales Wachstum ermöglichen. Dank der kleinen Klimmhaare des Hopfens kann sich dieser in den kommenden Wochen spielend leicht nach oben ranken – immer der Sonne entgegen.

Ein perfekter Energieschub für den Hopfen: die Zwischenfrucht

Während in den Hopfengärten noch die letzten Triebe von fleißigen Händen angeleitet werden, widmet sich Hopfenbauer Andreas Dick bereits dem nächsten Arbeitsschritt – nun wieder mit schwerem Gerät. Die im Herbst in den Hopfengärten eingepflanzte Zwischenfrucht wird sorgfältig untergepflügt, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen und das Wachstum des Hopfens zu fördern. Durch diese Form der Gründüngung kann Experte Dick den Humusaufbau innerhalb des Bodens gezielt optimieren und schützt gleichzeitig seine jungen Triebe vor tückischen Wettereinflüssen. Denn dank der langen Wurzeln von Klee und anderen speziell ausgewählten Pflanzenarten kann der Halt des Bodens erhöht und das Risiko von Erosionen verringert werden. Darüber hinaus sorgen die feinen Wurzeln auch für eine gute Durchlüftung – die perfekte Grundlage, damit unser Bitburger Siegelhopfen in den nächsten Monaten stetig wachsen und sein einzigartiges Aroma entwickeln kann. Dank der hervorragenden Arbeit von Hopfenbauer Andreas Dick und seinen Helfern heißt es schon bald wieder: Bitte ein Bit!

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  • Karl W. Braun - Gabe
    Äußerst interessant und sehr aufschlussreich für jeden Bit Freund. Die Vorstellung der Brauereiführung, und sonstigen Verantwortlichen, den Braumeistern, den Hopfenbauer und all die vielen anderen ungenannten Helfer. Weiterhin ganz viel Erfolg.Vielen herzlichen Dank für die ausführlichen Erklärungen bis zum krönenden „Bitte ein Bit“

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    • Sabine von Bitburger
      Dieses Lob nehmen wir gerne an. DANKE. Wir freuen uns immer über solch aufmerksame Leser. Noch genauer und im Video könnt ihr euch das Bitburger Hopfenjahr auf unserem youtube-Kanal unter www.youtube.com/bitburger in der Playlist ansehen. Viel Spaß!

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