Wenn Hopfen und Hefe auf Reisen gehen

Sabine Jacobs

22.05.2019 · 6 Min. Lesezeit

Alles begann mit einer Idee – und einer Menge Papierkram 

Wie bei so vielen großen Projekten begann auch die Kooperation zwischen den beiden Traditionsbrauereien Bitburger und Sierra Nevada mit einem regen Austausch: Wo soll das gemeinsame Bier gebraut werden? Welches Bier soll es sein? Und wie soll das Ganze im Detail aussehen? Aber sehr schnell war klar: Es soll ein gemeinsames Festbier mit einem ganz besonderen Charakter gebraut werden. Dazu passten auch die Ideen der beiden Brauerei-Inhaber Jan Niewodniczanski und Ken Grossman, denn diese wünschten sich eine Kombination der deutschen und amerikanischen Brauzutaten – das Beste aus beiden Welten. Und so kam es, dass Stefan Meyna, Stefan Hanke, Scott Jennings und Matt Ruzich eine Rezeptur entwickelten, welche die Rohstoffe beider Brauereien beinhaltet. Das Besondere: Neben dem Bitburger Siegelhopfen wird für den Collaboration Brew auch die Bitburger Naturhefe verwendet. Ein absolutes Novum, denn schließlich hat die Bitburger Naturhefe bisher noch nie die schützenden Mauern der Bitburger Brauerei verlassen. 


Auf dem Weg zu unseren amerikanischen Freunden 


Um gemeinsam einen ersten Sud in der Sierra Nevada Versuchsbrauerei in Mills River zu brauen, mussten der Bitburger Siegelhopfen und die Bitburger Naturhefe jedoch zunächst aus der Südeifel in die USA kommen. Erst keine leichte Entscheidung – und dann kein leichtes Unterfangen. Schließlich handelt es sich bei Hopfen um eine Pflanze, die zur Gattung der Hanfgewächse zählt, während Hefe bekanntlich aus lebendigen Mikroorganismen besteht – beides Tatsachen, die jeden Zollbeamten hellhörig werden lassen. Der Versand war entsprechend nicht einfach, denn zunächst musste herausgefunden werden, welche Dokumente für das Brauzutaten-Paket benötigt werden. Nachdem schlussendlich alle Urkunden vorlagen, machte sich das kostbare Paket auf die Reise zu unseren Brau-Partnern. Per Luftpost ging es optimal eingepackt und rundum geschützt nach North Carolina. Auch wenn ein Sack voll grünem Hopfen und kleiner Hefe-Röhrchen für einen Zollbeamten durchaus hätte verdächtig aussehen könnten, zahlte sich die gute Vorbereitung aus, sodass alles reibungslos die Landesgrenzen passieren konnte. 


Der Umgang mit der Bitburger Naturhefe will gelernt sein

So unempfindlich sich der Bitburger Siegelhopfen zeigte, so herausfordernd gestaltete sich der Umgang mit der Bitburger Naturhefe während des Brauens in den USA. Denn die Hefe aus Bitburg ist in der Handhabung sehr anspruchsvoll und empfindlich – und wird deshalb von den Bitburger Braumeistern liebevoll als „Diva“ bezeichnet. Damit sie sich während der Gärung nicht zu früh absetzt oder gar in der Schwebe bleibt, galt es für die amerikanischen Braumeister, einiges bei der Vermehrung zu beachten. So erhielten sie neben den eigentlichen Brauzutaten auch eine detaillierte Anleitung aus Deutschland, mit der sie Schritt für Schritt einen ganzen Fermenter voller Hefe für den Probesud herstellen konnten. Der ein oder andere Anruf aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten blieb nicht aus und räumte letzte Zweifel beiseite. Denn auch in Mills River legt man höchsten Wert auf Qualität und gut ausgebildete Mitarbeiter, die selbst den Star-Allüren der Bitburger Hefe gewachsen sind. 


Das lange Warten hat sich gelohnt – der erste Sud wird gebraut 

Nach wochenlangen Vorbereitungen, zahlreichen Abstimmungen und vielen bürokratischen Hürden war endlich der Tag gekommen, auf den alle gemeinsam hingearbeitet hatten: Der erste Sud des neuen Festbieres wurde in der Versuchsbrauerei von Sierra Nevada gebraut. Selbstverständlich ließ es sich der Bitburger Braumeister Stefan Meyna nicht nehmen, zu diesem Anlass in die Provinz North Carolinas, genauer gesagt ins beschauliche Mills River, zu fliegen – und wurde dort von einem alten Freund herzlich empfangen. Denn Stefan Meyna und Scott Jennings, der Braumeister von Sierra Nevada, kennen sich bereits aus dem Studium und sahen sich nun zum ersten Mal nach über 18 Jahren wieder. Keine Überraschung, dass die beiden alten Freunde direkt vom Flughafen in einen angesagten Pub fuhren, um das einheimische Bier zu verkosten. Doch bei all der Wiedersehensfreude kam natürlich das gemeinsame Vorhaben nicht zu kurz. Bereits am nächsten Tag gingen die beiden durch die Brauerei in Mills River. Einer von Stefans häufigsten Sätze dort lautete: „Oh, das ist ja genauso wie bei uns.“ Denn beide Familienbrauereien verbindet die Leidenschaft für beste Rohstoffe sowie der hohe Qualitätsanspruch an ihre Biere. So wurden auch Malze und Hopfen für das Festbier in den folgenden Tagen genaustens begutachtet und letztendlich der erste Sud des exklusiven Collaboration Brews angesetzt. Die größte Herausforderung stellte in diesen Tagen sicherlich die Umrechnung der Einheiten dar, denn in den USA wird das imperiale System mit Pounds, Barrels & Co. verwendet. So bestand die erste Amtshandlung der beiden Braumeister darin, sich eine App herunterzuladen, welche die verschiedenen Einheiten umrechnete. Der Technik sei Dank! 


Das unverwechselbare Ergebnis – ein Festbier mit Charakter 

Der Geschmack unseres gemeinsamen Bieres spricht für sich – durch die Kombination deutscher und amerikanischer Brauzutaten ist ein Festbier mit außergewöhnlichem Charakter entstanden. Schokoladige und karamellige Malze treffen auf den Geschmack eines klassischen Pils-Malzes, fruchtige Noten des US-Hopfens vereinen sich mit der bekannten feinen Bittere des Bitburger Siegelhopfens. Doch auch wenn dieser Collaboration Brew nur in den USA erhältlich sein wird, kann man gespannt sein – denn auch die Brauer von Sierra Nevada sind neugierig darauf zu erfahren, wie in Bitburg gebraut wird. The best is yet to come …